Nicht von schlechten Eltern

Undine Zimmer

retterliebe

Nicht von schlechten Eltern

(Meine Hartz-IV-Familie)

ISBN: 978-3-10-092592-3

Undine Zimmers Biographie zeigt, dass das Thema Armut in der heutigen Zeit und in unserem Land aktuell ist. Es hilft, zu verstehen, was es bedeutet, gerade so durchzukommen. Es hilft, zu verstehen, dass Chancengleichheit zwar am Papier gegeben ist, in der Praxis jedoch viele Facetten hat.

Undine schreibt ehrlich und ausdrucksstark, hat als Kind schon eine enorme Beobachtungsgabe, um Zusammenhänge zu erkennen.

Ihre Eltern sind gebildet und sehnen sich nach einer sinnvollen Arbeit. Und doch kommen sie immer wieder zu spät, passen nicht ins System, können sich nicht so gut vermarkten. Daher fallen sie in die Langzeitarbeitslosigkeit bzw. in einen Kreislauf von schlecht bezahlten Jobs und Gelegenheitsarbeiten. Meistens wird das wenige Geld vom Aufwand der Arbeit zur Gänze verbraucht.

Besonders der Mutter gelingt es, ihr vieles zu ermöglichen, was armen Menschen normalerweise gar nicht in den Sinn kommt. Im Alltag wird eisern gespart, dafür gibt es dann ab und zu so besondere Augenblicke, welche “vom Mund abgespart” werden.

Undine lernt zu kämpfen, für sich und für ihre Eltern. Sie beschreibt die Zustände am Arbeitsmarktservice, wo die Arbeitssuchenden so sehr vom Willen ihrer Betreuer abhängig sind. Wo es auch wieder darum geht, zu kämpfen, sich zu beweisen und sein Recht einzufordern.

Aber dieses Gefühl von dem “dafür reicht das Geld nicht” begleitet sie wie ein Schatten, in die Schule, ins Studium und in die ersten Schritte zum eigenen Job. Wird sie es schaffen, ihren eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren, vielleicht auch noch ihren Eltern unter die Arme zu greifen, wie sie es sich so sehr wünscht?

In all dem hat Undine eine gute Beziehung zu ihren Eltern, meiner Meinung nach besser als viele Familien denen es wirtschaftlich besser geht.

Einen neuen Zugang zur Armut darf ich selbst dabei erkennen, Undine schreibt vonsozialer Armut, einem Begriff der mir hilft, Armut besser zu verstehen. Wie geht es einem, wenn man Verwandte und Freunde nicht besuchen kann, weil man das Geld für die Fahrkarte nicht hat? Wie geht es den Kindern, wenn sie im Kleidungsstil der Mitschüler nicht mithalten können?

Ein sehr empfehlenswertes Buch, viele herzliche und herzzerreißende Anekdoten,  die Beschreibung einer “armen Familie in unserer Zeit”, und die Unterschiedlichkeit, wie zum Beispiel Mama und Papa mit Geldnot umzugehen wissen.

Natürlich würde es mich interessieren, ob Undine inzwischen die 16.000,- Euro Bildungs-Schulden zurück bezahlen konnte. Ich wünsche ihr, dass sich dieses Buch so oft verkauft, dass sie davon gut leben kann.

(kleo)

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