Israel 2016, Tag 9

25.07.2016 (Tag 9)

Endlich befinden wir uns in Jerusalem, der Stadt, welche wir als Endpunkt und gleichzeitig als Höhepunkt unserer Reise geplant haben. Jerusalem, das ist die Heilige Stadt, die Stadt Gottes und gleichzeitig die Hauptstadt des modernen Israel. Jesus ist hier auf einem Esel als König eingezogen und später von der gleichen Volksmenge verurteilt, gekreuzigt und begraben worden. Und er ist hier auferstanden und in den Himmel aufgefahren.

Als unser erster voller Tag in Jerusalem beginnt, machen wir zuerst zwei nette Bekanntschaften. Zuerst mit unserer Gastgeberin, eine Einwanderungs-Tochter aus Ungarn um die 50. Sie ist sehr nett und sympathisch, somit fühlen wir uns sehr wohl am Frühstückstisch. Außerdem machen wir uns zur selben Zeit mit einem Ehepaar mit Kind bekannt. Sie ist um die 35 und kommt ursprünglich von den Philippinen. Er ist um die 60, kommt aus Sri Lanka und wenn er lächelt erinnert er mich total an Roberto Blanco! Sie leben allerdings in Schweden und sind mit ihrer etwa 10-jährigen Tochter auf Urlaub hier! Ja, es ist schon sehr interessant, mit verschiedenen Leuten ins Gespräch zu kommen. Da allerdings um 11 Uhr schon eine Gratis-Altstadt-Tour beginnt, dürfen wir uns nicht zu sehr im Gespräch verlieren, und brechen auf in Richtung Altstadt. Vor dem Stadttor, das zur von Mauern umgebenen Altstadt führt, wimmelt es nur so von Touristen. Als wir unsere Gruppe erkennen, geht es auch schon los mit der Führung. Wir gehen durch das Jaffator in die Altstadt, und es wirkt alles wie in einer anderen Welt. Wir durchgehen alle vier Teile der Altstadt: das christliche Viertel, das armenische Viertel, das jüdische und das muslimische Viertel. Es ist für uns alles sehr beeindruckend zu sehen. Der Felsendom, die Al-Aqusa-Moschee, die Grabeskirche, die Klagemauer, die engen Gassen der Altstadt …

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So schön und gut die freie Tour auch war, machen wir gleich danach noch eine zweite, persönliche Altstadt-Tour. Und zwar mit unserem neuen Freund Pavel, der auch mit uns in der Gruppe war. Er ist ein 30-jähriger Pole, der seit 15 Jahren in Norwegen lebt. Er ist alleine hier in Israel, und wir waren uns auf Anhieb sehr sympathisch. Er ist ein total lebensfroher, lustiger Kerl, der gleichzeitig eine sehr sensible Seite hat, wie wir später noch feststellen werden. So gehen wir zu dritt erst mal durch den arabischen riesigen Bazar Richtung Tempelberg. Da dieser nur sehr sporadisch zugänglich ist, pfeifen wir drauf, drehen um und gehen zur Klagemauer. Wir bekommen eine kostenlose Kippa, die wir uns als Souvenir behalten dürfen.

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Denn ein jüdisches Heiligtum dürfen wir als Männer nur mit Kopfbedeckung besuchen, Kirchen  aber nur ohne. Anschließend gehen wir zurück zum christlichen Viertel und speisen zu dritt in einem köstlichen Hummus-Restaurant. Hier ergibt sich es, dass wir Pavel von unserem Glauben an Jesus Christus erzählen können und davon, welche wichtige Bedeutung für uns die Bibel hat. Zu unserer Überraschung zitiert Pavel einige Stellen aus der Bibel und erzählt von seinen elterlichen Prägungen in seiner Kindheit. Er sagt uns ganz offen, dass er ein suchender Mensch ist. Nach diesem doch recht persönlichen Gespräch beschließen wir, auch den Rest des Tages noch gemeinsam zu verbringen. Wir verlassen die Altstadt und fahren mit der Straßenbahn zur Gedenkstätte „Yad Vashem“.

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Da das Gebäude bereits geschlossen hat, betreten wir an der Seite eine Allee, die sogenannte „Allee der Gerechten“.  Die Gedenktafeln, an denen man jeweils einen Baum gepflanzt hat, erinnert an nichtjüdische Personen, welche sich dem nationalsozialistischen Regime im 2. Weltkrieg widersetzten, um Juden zu retten. Und genau hier ist auch der Moment, wo der lustige, aufgeweckte Pavel auf einmal ganz sentimental wird. Er erhofft sich, den Namen seiner Vorfahren auf einer der Gedenktafel zu finden, von denen er weiß, dass sie Juden retteten. Leider vergeblich, denn wir konnten mit langen Jeans bei dieser Sommerhitze nicht die ganze Allee durchwandern. Wir fahren mit der Straßenbahn zurück zur Jaffa Street und setzen uns in der „Ben Yehuda Street“ in eine Art Eisdiele. Allerdings essen wir kein Eis, sondern einen Mix aus den verschiedensten gefrorenen Früchten, gemischt mit Joghurt – frisch zermixt, versteht sich. Diese für uns komplett fremdartige Kreation ist so lecker, dass wir uns sofort noch eine Portion holen. Hier ist das Feeling wieder total anders als in der Altstadt. Die Fußgängerzone, in der wir sitzen, ist gefüllt mit großteils jungen Menschen. Ein paar Meter weiter sitzt ein Typ mit einem Radio, aus der fernöstlicher Discosound kommt. Pavel, der mittlerweile wieder sehr aufgeweckt ist, fordert uns zu einer Mutprobe heraus. Jeder von uns drei soll für einen Moment in die Fußgängerzone hinausgehen, um zu der Musik ein paar Discomoves zu zeigen. Als wir alle drei gut bestanden hatten, dauert es nicht lange, bis sich ein Kreis mit ungefähr 50 jungen Menschen bildet und die Fußgängerzone zu einer Disco umgewandelt wird. Jetzt sind zum Glück nicht mehr wir für die Showeinlagen verantwortlich, sondern wirklich gute Amateur-Breakdancer! Die Stimmung ist gigantisch, und auch der Typ mit dem Radio freut sich mit! Ja, so vielseitig ist diese Stadt, das hätten wir uns vorher nicht gedacht. Auf dem Heimweg geht Pavel noch mit uns mit zum Appartment, da Raffael ihm noch ein Buch schenkt. Dies ist zwar auf deutsch, aber da Pavel auch etwas deutsch spricht, hoffen wir sehr, dass es ihm auf seiner Suche hilft.

Text: Michael Wagner    Fotos: Raffael Reithofer

(kleo)

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